Kein Lager. Kein Versand. Keine Retouren, die dir die Garage vollstellen. Digitale Produkte klingen wie der perfekte Nebenverdienst: einmal erstellen, dann verkauft sich das Ding im Schlaf.
Das stimmt – zur Hälfte. Die andere Hälfte verschweigen die meisten Kursverkäufer: Ein digitales Produkt, das niemand findet, verkauft sich auch im Schlaf nicht. Es schläft einfach mit.
Trotzdem ist das Modell eines der ehrlichsten im Netz. Weil die Kosten gegen null gehen und du mit kostenlosen Werkzeugen starten kannst. Hier ist, was funktioniert – und was es wirklich kostet.
Was sich überhaupt verkauft
Die Faustregel: Leute zahlen nicht für Informationen. Die gibt es gratis. Sie zahlen für gesparte Zeit und für Ordnung im Chaos.
- E-Books und Ratgeber – wenn sie ein konkretes Problem lösen, nicht wenn sie „alles über Marketing“ erklären.
- Vorlagen – Bewerbungen, Social-Media-Grafiken, Excel-Haushaltsbücher, Notion-Planer, Rechnungsvorlagen.
- Druckbare Dateien – Kalender, Checklisten, Wochenplaner, Lernblätter.
- Mini-Kurse – drei bis fünf kurze Videos zu einem engen Thema schlagen den 40-Stunden-Megakurs.
- Presets und Assets – Foto-Filter, Schriftarten, Icon-Sets, Sounds.
Je enger das Thema, desto besser. „Excel-Vorlage für Handwerker-Angebote“ verkauft sich eher als „Excel-Vorlagen“. Die Konkurrenz ist kleiner und der Käufer erkennt sich sofort wieder.
Wo du verkaufst – und was die Plattform behält
Amazon KDP ist der naheliegende Weg für E-Books und Taschenbücher. Die Veröffentlichung kostet nichts. Bei E-Books gibt es 35 oder 70 Prozent Tantiemen. Die 70 Prozent gibt es nur, wenn der Preis in einem bestimmten Fenster liegt – auf dem US-Marktplatz seit Juli 2026 zwischen 2,99 und 12,99 Dollar – und Amazon zieht noch eine kleine Liefergebühr je nach Dateigröße ab. Der Vorteil: Amazon bringt die Käufer mit. Der Nachteil: Du spielst nach Amazons Regeln.
Etsy ist der Marktplatz für Vorlagen und Druckdateien. Pro Angebot fallen 0,20 US-Dollar Einstellgebühr an, dazu 6,5 Prozent Transaktionsgebühr und die Zahlungsabwicklung (in Deutschland 4 Prozent plus 0,30 Euro). Unterm Strich gehen je nach Preis grob 12 bis 17 Prozent weg. Dafür suchen dort Menschen aktiv nach genau solchen Dateien.
Digistore24 ist in Deutschland der Klassiker für E-Books und Online-Kurse. Der Anbieter übernimmt Zahlung, Rechnung und Umsatzsteuer – für Einsteiger ein echter Vorteil. Und: Andere können dein Produkt als Affiliates bewerben.
Eigene Website: Mit WordPress und einem Shop- oder Download-Plugin behältst du am meisten. Aber du bist auch für alles selbst zuständig: Rechtstexte, Zahlungsanbieter, Steuern auf EU-Verkäufe. Das lohnt sich erst, wenn du schon Besucher hast.
Die kostenlosen Werkzeuge für den Start
- Texte und E-Books: Google Docs oder LibreOffice Writer. Beide exportieren sauber als PDF und DOCX.
- Grafiken, Cover, Vorlagen: Canva in der Gratis-Version reicht für den Anfang. Welche Grenzen sie hat, steht in unserem Canva-Vergleich.
- Kalkulationen und Tabellen-Vorlagen: Google Sheets oder LibreOffice Calc.
- Videos für Mini-Kurse: OBS Studio zum Aufnehmen, DaVinci Resolve oder Shotcut zum Schneiden – alles kostenlos.
- Entwürfe und Gliederungen: Chat-KIs helfen beim Strukturieren. Welche Gratis-Versionen taugen, zeigt unser Überblick zu kostenlosen KI-Tools.
Das Problem, über das keiner spricht
Ein digitales Produkt zu bauen dauert ein Wochenende. Käufer zu finden dauert Monate.
Wer kein Publikum hat – keinen Blog, keinen Kanal, keine Newsletter-Liste –, ist auf die Suchfunktion der Plattformen angewiesen. Dort entscheiden Titel, Stichworte, Vorschaubilder und Bewertungen. Wer das ignoriert, verkauft nichts, egal wie gut das Produkt ist.
Die ehrliche Reihenfolge lautet deshalb: Erst prüfen, ob jemand danach sucht. Dann bauen. Nicht umgekehrt. Ein Blick in die Suchvorschläge von Amazon und Etsy kostet nichts und zeigt, wonach Menschen wirklich tippen.
Was du steuerlich wissen musst
Wer regelmäßig verkauft, betreibt ein Gewerbe – auch mit PDFs. Das heißt: Gewerbe anmelden und Einnahmen in der Steuererklärung angeben. Für kleine Umsätze gibt es die Kleinunternehmerregelung, die wir in einem eigenen Beitrag erklären. Das ist keine Steuerberatung; bei Unsicherheit lohnt ein kurzes Gespräch mit einem Steuerberater.
Fazit
Digitale Produkte sind kein Goldesel. Sie sind ein Hebel. Die Arbeit steckst du einmal hinein, verkaufen kannst du beliebig oft. Das funktioniert, wenn das Thema eng ist, die Nachfrage vorher geprüft wurde und du bereit bist, das Produkt aktiv sichtbar zu machen.
Das Werkzeug dafür bekommst du gratis. Die Geduld leider nicht.

